Orientierung, Wissen und Handlungssicherheit im urbanen Raum
Einordnung & Ausgangslage
Gesellschaftliche Entwicklungen der letzten Jahre zeigen, dass Krisensituationen keine theoretischen Szenarien mehr sind. Extremwetterereignisse, Energieengpässe, infrastrukturelle Störungen oder geopolitische Konflikte verdeutlichen die Notwendigkeit funktionierender Schutz- und Orientierungskonzepte im urbanen Raum.
Gleichzeitig existieren in Deutschland keine funktionsfähigen öffentlichen Schutzräume mehr. Frühere Schutzbunker wurden aufgegeben, umgenutzt oder außer Betrieb genommen. Dennoch verfügen Städte weiterhin über zahlreiche bauliche Strukturen – etwa U-Bahnhöfe, Tunnelanlagen oder Tiefgaragen –, die im Ernstfall physisch Schutz bieten könnten.
Das zentrale Defizit liegt daher weniger in der Substanz als in deren fehlender Sichtbarkeit und systematischen Einbindung. Schutz ist räumlich vorhanden, jedoch nicht als verständliches, dauerhaft präsentes Orientierungssystem organisiert. Informationen sind fragmentiert, Zuständigkeiten komplex, und Wissen über Schutzorte ist im Alltag kaum verankert.
URS – Urban Resilience System setzt an dieser strukturellen Lücke an. Das Projekt versteht Resilienz als Zusammenspiel von Raum, Information und Verhalten und entwickelt ein System, das bestehende urbane Strukturen sichtbar, verständlich und wiedererkennbar macht – damit Orientierung nicht erst im Krisenmoment entstehen muss.
Das System URS
URS ist ein integriertes Orientierungssystem für den urbanen Raum, das bestehende Strukturen nutzbar macht, Wissen kontinuierlich vermittelt und im Ernstfall klare Wege aufzeigt.
Das System basiert auf drei miteinander verknüpften Bausteinen:
01 – Leitsystem (Beschilderung im Stadtraum)
02 – URS-HUB (physischer Orientierungspunkt)
03 – Kommunikation (digitale & analoge Wissensvermittlung)
Alle Elemente sind so gestaltet, dass sie im Alltag präsent sind und im Krisenfall ohne Umdenken funktionieren.
Baustein 01 – Leitsystem
Das URS-Leitsystem erweitert bestehende Normen der Sicherheits- und Orientierungsgestaltung um eine systematische, stadtweit verständliche Ebene. Einheitliche Piktogramme, Farben und Richtungslogiken schaffen Wiedererkennbarkeit und prägen sich bereits im Alltag ein.
Ziel ist es, Orientierung nicht erst im Ausnahmezustand zu erzeugen, sondern dauerhaft im Stadtbild zu verankern – vergleichbar mit Fluchtweg- oder Verkehrsschildern.
Die Beschilderung führt schrittweise durch den urbanen Raum, markiert relevante Orte und schafft klare Entscheidungswege. Distanzangaben, Richtungsführung und reduzierte Symbolik ermöglichen eine intuitive Nutzung – unabhängig von Sprache, Herkunft oder Vorwissen.
Baustein 02 – URS-Hub
Der URS-Hub ist ein physischer Knotenpunkt im Stadtraum. Er dient im Alltag als Aufenthaltsort, Informationspunkt und Landmarke – und baut dadurch Vertrauen und Vertrautheit auf.
Sitzgelegenheiten, Witterungsschutz und niederschwellige Informationen machen den Hub zu einem selbstverständlichen Teil des öffentlichen Lebens.
Im Krisenfall wechselt der Hub in einen klar erkennbaren Akutmodus. Lichtsignale, Richtungsanzeigen und reduzierte Informationen unterstützen schnelle Orientierung, ohne zusätzliche Erklärung. Der Hub wird nicht selbst zum Schutzraum, sondern zum Tor ins Leitsystem.
Technisch ist der Hub auf Robustheit und Autarkie ausgelegt. Solarbetriebene Systeme, energiesparende E-Ink-Displays und analoge Informationsflächen gewährleisten Funktionalität auch bei Stromausfällen. Die Gestaltung folgt dem Prinzip: so viel Technik wie nötig, so wenig Abhängigkeit wie möglich.
Baustein 03 – Kommunikation
Resilienz entsteht nicht allein durch Infrastruktur, sondern durch kontinuierliche Wissensvermittlung. URS nutzt digitale Kanäle – insbesondere Social Media – um Informationen niedrigschwellig, verständlich und wiederkehrend zu kommunizieren.
Bestehende Inhalte, etwa aus Leitfäden des Bevölkerungsschutzes, werden nicht neu erfunden, sondern verdichtet, neu strukturiert und visuell übersetzt. Kurze Formate, klare Botschaften und Wiederholung sorgen dafür, dass Wissen im Alltag präsent bleibt – und im Ernstfall abrufbar ist.
URS als System im Stadtraum
Die Stärke von URS liegt im Zusammenspiel seiner Bausteine. Leitsystem, Hub und Kommunikation sind nicht isoliert gedacht, sondern greifen ineinander. Digitale Inhalte spiegeln sich im Stadtraum, physische Orientierung wird online vorbereitet, und bestehende Strukturen werden systemisch verknüpft.
So entsteht ein urbanes Resilienzsystem, das nicht auf den Ausnahmezustand reduziert ist, sondern im Alltag wirkt – damit im Ernstfall klar ist, wohin man geht.